
Warum viele Hunde beim Mantrailing nie lernen, wirklich selbstständig zu suchen
Dein Hund findet beim Mantrailing immer die Versteckperson? Herzlichen Glückwunsch! Aber woher weißt Du eigentlich, ob er wirklich selbstständig gesucht hat?
Eine etwas provokante Frage. Ich weiß. 😉
Aber genau darüber sollten wir beim Mantrailing viel häufiger sprechen.
Denn zwischen einem Hund, der jemanden findet, und einem Hund, der wirklich gelernt hat, einer menschlichen Geruchsspur selbstständig zu folgen, liegt manchmal ein gewaltiger Unterschied.
Und den übersehen wir Menschen erstaunlich oft.
Wer sucht eigentlich? Dein Hund oder Du?
Stell Dir eine ganz normale Trainingssituation vor.
Dein Hund kommt an eine Kreuzung. Er wird langsamer, prüft, nimmt vielleicht kurz die Nase hoch.
Und schon geht es los:
„Da hat er Dir etwas angezeigt!“
„Jetzt musst Du reagieren!“
„Du musst Deinen Hund besser lesen!“
Kommt Dir bekannt vor?
Ich frage mich in solchen Situationen immer: Warum lassen wir den Hund nicht einfach seine Arbeit machen?
Natürlich muss ein Hundeführer seinen Hund beobachten. Aber wenn wir jede Kopfbewegung interpretieren und ständig eingreifen, wann soll der Hund dann lernen, selbst Entscheidungen zu treffen?
Der größte Fehler passiert oft am anderen Ende der Leine
Wir Menschen möchten helfen.
Das ist nett gemeint. Aber beim Suchhundetraining nicht immer hilfreich.
Ein Hund verliert kurz den Anschluss an die Spur. Er schaut zurück. Herrchen sagt „Such!“, Frauchen geht einen Schritt nach links, der Trainer gibt einen Hinweis.
Und schon läuft der Hund weiter.
Prima, oder?
Vielleicht. Aber was hat er dabei gelernt?
Dass seine Nase die Lösung findet? Oder dass er nur lange genug warten muss, bis sein Mensch ihm hilft?
Je häufiger wir eingreifen, desto eher kann unser Hund lernen, sich auf unsere Hilfe zu verlassen.
Dabei möchten wir doch genau das Gegenteil erreichen.
800 Meter machen noch keinen guten Suchhund
Ein anderes Thema, über das ich mich regelmäßig wundere: die Länge der Trails.
Da werden 500 Meter, 800 Meter oder gleich mehrere Kilometer gelaufen.
Und anschließend heißt es stolz: „Alles gefunden!“
Schön. Aber was hat der Hund dabei gelernt?
Ich trainiere lieber einen kurzen Trail mit einem klaren Lernziel als eine spektakuläre Strecke, bei der hinterher niemand weiß, was eigentlich trainiert werden sollte.
Eine einzige sauber ausgearbeitete Kreuzung kann einen Hund weiterbringen als 800 Meter durch die Innenstadt.
Nicht die Länge entscheidet über gutes Training. Sondern das, was der Hund dabei lernt.
Warum ich nach über 40 Jahren manches anders sehe
Ich bilde seit über 40 Jahren Suchhunde aus.
Angefangen habe ich mit der sportlichen Fährtenarbeit. Später kamen Diensthunde, Spürhunde, Rettungshunde und vor rund 25 Jahren auch das Mantrailing dazu.
Ich habe Hunde für Prüfungen, Meisterschaften und Einsätze ausgebildet und führe selbst bis heute aktiv Suchhunde.
Natürlich habe ich in dieser Zeit auch Fehler gemacht. Und selbstverständlich trainiere ich heute manches anders als vor 20 oder 30 Jahren.
Aber eine Überzeugung ist immer stärker geworden:
Gute Ausbildung macht den Hund selbstständiger. Schlechte Ausbildung macht den Menschen wichtiger.
Wir brauchen nicht für jede falsche Entscheidung eine neue Erklärung über Wind, Thermik oder Geruchsverteilung.
Manchmal war der Trainingsaufbau einfach nicht gut genug.
Dann ändern wir ihn. Und trainieren weiter. 😉
Drei Fragen für Dein nächstes Mantrailing-Training
Bevor Du Deinen nächsten Trail legst, stell Dir drei einfache Fragen:
- Was soll mein Hund heute lernen?
- Woran erkenne ich, dass er es verstanden hat?
- Wie muss ich den Trail aufbauen, damit er genau das lernen kann?
Wenn Du diese Fragen beantworten kannst, bist Du schon einen großen Schritt weiter.
Egal, ob Du gerade mit Mantrailing anfangen möchtest oder seit Jahren dabei bist.
Denn ein guter Suchhund entsteht nicht durch Zufall. Und auch nicht dadurch, dass wir jede seiner Bewegungen erklären können.
Er entsteht durch viele kleine, sinnvoll aufgebaute Trainingseinheiten.
Mantrailing neu gedacht – Ausbildung statt Interpretation
Mein neues Fachbuch: 90 Seiten aus über 40 Jahren praktischer Suchhundearbeit.
In meinem PDF-Fachbuch „Mantrailing neu gedacht“ gehe ich noch viel ausführlicher auf diese Themen ein.
Du erfährst unter anderem:
- Warum viele Hunde ständig ihren Menschen anschauen, statt selbstständig weiterzusuchen.
- Wie wir unseren Hunden unbewusst beibringen, auf Hilfe zu warten.
- Warum jeder Trail ein klares Lernziel braucht.
- Weshalb Finden und Suchen zwei unterschiedliche Dinge sind.
- Wie Du Deinen Hund Schritt für Schritt zu mehr Selbstständigkeit führst.
- Warum ich Object Trailing entwickelt habe und wie es das Mantrailing ergänzen kann.
Das Buch ist keine Sammlung komplizierter Geruchstheorien. Es soll Dir helfen, Deine Suchhundearbeit einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Und weil ich möchte, dass möglichst viele Hundehalter diese Gedanken kennenlernen, gibt es das Fachbuch gerade zu einem besonderen Einführungspreis.
Nur für kurze Zeit: 4,90 € statt regulär 29,90 €.
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Vielleicht wirst Du nach dem Lesen manches anders sehen. Vielleicht wirst Du mir auch an einigen Stellen widersprechen. Beides ist völlig in Ordnung.
Hauptsache, wir beschäftigen uns wieder mehr mit der Ausbildung unserer Hunde als mit der Interpretation ihrer Nasenarbeit.
Dein Hund hat die Nase. Gib ihm die Chance, sie selbstständig einzusetzen!
Wolfgang „Wolle“ Maschewski
SPURWERK – Suchhundetraining neu gedacht
